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"Endlich wieder selber kochen"

Als wir Kudlip das erste Mal in unserer Bochumer Anlaufstelle trafen, war der gebürtige Inder wohnungslos und frustriert von seiner erfolglosen Wohnungssuche. Seitdem ist viel passiert. Nun hat uns der bodo-Verkäufer auf einen Tee in seine neue Wohnung in Wiemelhausen eingeladen.

Von Sebastian Sellhorst

Als wir bei Kudlip ankommen, winkt er uns schon aus dem Fenster entgegen. Seit vier Monaten wohnt er jetzt in der kleinen Wohnung im Erdgeschoss, die ihm eine bodo-Leserin vermittelt hat: Ein kleines Schlafzimmer, eine große Küche und sogar ein direkter Zugang zum Garten. Während Kudlip uns auf einer kleinen elektrischen Herdplatte einen Tee aus schwarzem und grünem Tee, Ingwer und Fenchelsamen zubereitet, erzählt er davon, wie sehr ihm die eigenen vier Wände gefehlt haben. Das eigene Bett und die Tür, die man hinter sich abschließen kann, seien natürlich das Wichtigste, aber es gehöre viel mehr zur eigenen Wohnung. „Wenn du keine eigene Wohnung hast, dann hast du meist kein Internet, kannst kein Fernsehen schauen und bekommst einfach nicht mit, was in der Welt passiert“, erzählt er. Der Nachrichtensender aus seiner indischen Heimat laufe jetzt fast durchgehend, wenn er zu Hause ist. Natürlich könne man sich auch eine Zeitung kaufen. „Aber das macht man dann meist doch nicht, wenn das Geld knapp ist.“ Am meisten genieße er aber die Möglichkeit, endlich wieder für sich zu kochen.

Seit einer schweren Herzoperation achtet er sehr auf seine Gesundheit und die Ernährung. „Das Essen, das man in der Suppenküche bekommt, ist an den meisten Tagen wirklich in Ordnung. Das Problem ist aber, dass du total unflexibel bist, wann du isst. Es gibt einen festen Zeitpunkt, an dem du Essen bekommst. Wenn du dann nichts isst, hast du abends Hunger oder musst dir was in der Stadt kaufen, also schlägst du dir mittags den Magen voll, egal ob du hungrig bist oder nicht“, erinnert er sich. Jetzt kocht Kudlip wieder, was und wann er will. Am meisten genieße er aber die Möglichkeit, endlich wieder für sich zu kochen.

Seit einer schweren Herzoperation achtet er sehr auf seine Gesundheit und die Ernährung. „Das Essen, das man in der Suppenküche bekommt, ist an den meisten Tagen wirklich in Ordnung. Das Problem ist aber, dass du total unflexibel „Einen richtigen Herd habe ich noch nicht. Aber wenn man ein bisschen trickst, kommt man auch mit einer Herdplatte schon gut zurecht“, erzählt er. Viele Zutaten, die er für traditionelle indische Gerichte brauche, bekomme man mittlerweile sogar in Drogeriemärkten.

„Das meiste kaufe ich aber im indischen Supermarkt in der Bochumer Innenstadt, weil es dort billiger ist.“ Kochen hat er bei seiner Großmutter gelernt. „Nicht, dass sie mir das beigebracht hat, aber ich habe als Kind die meiste Zeit bei ihr verbracht und immer in der Küche gespielt, wenn sie gekocht hat. Und dann schaut man halt zu und lernt automatisch.“ Aus der Zeit stamme auch sein Lieblingsgericht. Selbstgebackenes Maisbrot mit „Punchmail Bhaji“, einer Art Gemüsegulasch.

„Wenn man in Deutschland Curry oder andere indische Gerichte isst, dann ist es meist einfach nur scharf, aber schmeckt nach nichts“, beklagt er. „Meine Oma hat immer gesagt: ,Jedes Gewürz muss einzeln mit dir sprechen.‘“ Ganz wichtig sei darum, eher weniger Gewürze als zu viele zu verwenden und nicht mit Gewürzmischungen zu arbeiten. Ghee statt Erdnuss- oder Kokosöl lasse den Gewürzen mehr Raum, empfiehlt er. Was alles ein gutes Curry ausmacht? „Das kann man aber nicht an einem Tag erklären“, lacht er. „Das nächste Mal, wenn Ihr vorbei kommt, hab ich einen Herd und koche für euch“, verabschiedet er uns.

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