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Eine Lücke weniger

In Barop haben die Stadt Dortmund und European Homecare die neue Übernachtungsstelle für wohnungslose junge Erwachsene eröffnet. Bisher fallen diese Menschen mangels passender Angebote oft aus dem System der Wohnungslosenhilfe. Diese Lücke soll nun geschlossen werden.

Von Alexandra Gehrhardt | Fotos: Sebastian Sellhorst

Ein Doppelzimmer in der Notschlafstelle für junge Erwachsene in Dortmund

Auf dem Plan stand die Unterkunft schon seit Jahren. Als die Wohnungslosenzahlen um 2017 massiv stiegen und auch in Dortmund die Lücken im in die Jahre gekommenen Hilfesystem sichtbarer wurden, setzte sich die Verwaltung hin, befragte Akteure im Feld dazu, was gut läuft und was fehlt. Am Ende stand ein Konzept zur „Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe“, das jährlich aktualisiert wird und nun stärker dem Umstand Rechnung trägt, dass es für unterschiedliche Gruppen – seien es Suchterkrankte, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder eben Jüngere – unterschiedliche Angebote braucht.

Sozialdezernentin Birgit Zoerner und Sozialamtsleiter Jörg Süshardt sehen die neue Einrichtung als „wichtigen Lückenschluss“ im Hilfesystem: Bisher gibt es für Menschen zwischen 18 und 27 Jahren, die für die Jugendhilfe eigentlich zu alt sind, nicht wirklich passende Angebote, auch weil viele die Unterkünfte für Erwachsene meiden. Im „gap jump“, so der Name, sollen nun bis zu 20 Menschen, untergebracht in Zweier- oder Einzelapartments und einer WG, für maximal fünf Monate ein Obdach finden, vor allem aber „Perspektiven entwickeln“, für den Schulabschluss, einen Beruf, eine Wohnung.

Das Haus ist ganztags geöffnet und stärker als andere Angebote auf Autonomie ausgerichtet, die Zimmer haben Kühlschrank, Herd und Bad. Ein Team von fünf Sozialarbeiter- und PädagogInnen hilft bei Behördengängen, der Klärung von Leistungsansprüchen, Bewerbungen, Tagesstruktur und Freizeitangeboten. Die Basis für den gewünschten Lückenschluss ist also gelegt. Wie gut er gelingt, wird sich zeigen.

Der Betreiber, das Unternehmen European Homecare, steht immer wieder wegen mangelhafter Sozialarbeit in der Kritik (bodo 09.20), und auch der Misshandlungsskandal von Burbach wirkt bis heute (bodo 05.19). In Dortmund betreut EHC die Männerübernachtungsstelle und einzelne Einrichtungen für Gefluchtete. Der nächste Lückenschluss soll in der zweiten Jahreshälfte folgen: Dann soll die neue Übernachtungsstelle für wohnungslose Drogenabhängige eröffnen.

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