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Zwei Raubüberfälle auf Obdachlose in Dortmund

In der Nacht zu Freitag hat es nach Angaben der Polizei zwei Raubüberfälle auf obdachlose Männer in der Dortmunder Innenstadt gegeben. Dabei wurden zwei Obdachlose verletzt. Eine der Taten sei gefilmt worden. Die Kriminalpolizei sucht nun drei Männer und eine Frau und bittet um Hinweise.

Von Alexandra Gehrhardt

Wie die Polizei in einer Pressemeldung mitteilt, wurde gegen 1.40 Uhr in der Nacht zu Freitag ein wohnungsloser Mann an seinem Schlafplatz in einem Ladeneingang am Ostenhellweg überfallen. Nach Angaben der Polizei hätten drei Männer den 45-Jährigen aufgefordert, ihnen sein Geld zu geben und ihn, als er verneinte, geschlagen und getreten. Eine Frau habe die Situation beobachtet und gefilmt. Als der Mann der Gruppe folgte, sei er zu Boden gebracht und mehrfach geschlagen und getreten worden. Die Polizei sucht nun nach drei Männern und einer blonden Frau zwischen 20 und 25 Jahren.

Eine zweite Tat ereignete sich laut Polizeimeldung in der selben Nacht auf dem Westenhellweg. Auch hier wurde ein 45-jähriger obdachloser Mann an seinem Schlafplatz in einem Ladeneingang überfallen und um Bargeld beraubt. Der Mann habe StreifenpolizistInnen angesprochen und schwer verletzt im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Polizei schließt einen Zusammenhang der Taten nicht aus und bittet ZeugInnen um Hinweise. Wer in der Nacht zu Freitag (7. Mai) in der Dortmunder Innenstadt drei Männer und eine blonde Frau gesehen hat und Hinweise geben kann, wird gebeten, sich bei der Kriminalwache zu melden: Tel. 0231/132 7441.

Gewalt gegen Obdachlose ist Alltag. Sie haben keinen privaten Rückzugsraum, werden bedroht, erniedrigt, geschlagen, vergewaltigt, im Schlafsack angezündet, getötet. Mehr als 2.200 Gewaltdelikte (Stand: April 2020) erfasste die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe gegen Wohnungslose seit 1989 – und geht davon aus, dass das Dunkelfeld wesentlich größer ist. Viele Taten würden gar nicht zur Anzeige gebracht, weil Betroffene Angst vor Rache durch die Täter haben, sich schämen oder Ermittlungsbehörden nicht vertrauen. Die gesellschaftliche Stigmatisierung von Wohnungslosen und ihre strukturelle Abwertung begünstigt gleichzeitig Gewalt. Allein 2020 sind nach Zählungen der BAG W 22 wohnungslose Menschen durch Gewalt gestorben, 2021 waren es bisher drei. Seit 1989 waren es 587. Auf der Straße sind Wohnungslose schutzlos. Was schützt, ist eine Tür die man schließen, ein Ort, an den man sich zurückziehen kann. Der beste Schutz ist eine Wohnung.