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Wissen per Video

Zum Kampf gegen Corona gehört auch, über das Virus Bescheid zu wissen: Warum ist Abstandhalten wichtig, was bringen Masken und wie läuft das mit den Tests? Für obdachlose Menschen ist der Zugang zu Informationen aber schwieriger. Das Covid-19-Projekt für und mit Obdachlosen der Berliner Charité will das ändern: mit mehrsprachigen Erklärvideos für und mit Betroffenen.

Von Alexandra Gehrhardt | Filmausschnitt: Charité

Schon im Sommer untersuchte das Charité-Team in einem Pilotprojekt, wie obdachlose Menschen Schnelltests in den Unterkünften annehmen und wie sich durch systematische Tests dort Ausbrüche verhindern lassen. „Wir haben gemerkt, dass bei Slogans wie ‚stay at home‘ Obdachlose nicht mitgedacht werden und dass vielen unklar war, wo es Desinfektionsmittel und Masken gibt, wenn man die finanziellen Mittel nicht hat“, sagt Theresa Hellmund, Rehabilitationspädagogin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt. Dazu kommt: Wo vieles über das Internet läuft, braucht man Zugang zu Computern und Smartphones – den haben aber lange nicht alle, die auf der Straße leben. Für die, die ihn haben, gibt es nur wenige auf sie zugeschnittene digitale Angebote in Sachen Corona.

Das will das Charité-Projekt ändern: mit Erklärvideos, die mit Obdachlosen und in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut entwickelt wurden und auf der Straße lebenden Menschen erste Informationen über Covid-19 liefern sollen. In einem Film erklärt der Hauptdarsteller – auch er lebt lange draußen – was es mit dem Virus auf sich hat, welche Symptome es gibt und warum Hygiene und Abstand wichtig sind. In einem zweiten Video geht es um die Testungen: wo sie angeboten werden, wie sie ablaufen, was passiert, wenn ein Test positiv ist. Dabei geht es auch um Ängste, Zwischentöne, die das Material, das es bisher gibt, nicht anspricht: dass man auch ohne Krankenversicherung ein Recht auf Behandlung hat zum Beispiel. Oder dass man positiv getestet in Quarantäne individuell versorgt wird – „auch, wenn du konsumierst“, beruhigt der Mann im Film.

Es sei nicht einfach gewesen, mit einem partizipativen Angebot Augenhöhe herzustellen, ohne Klischees zu bedienen, und zudem ein Angebot zu schaffen, das die, die gemeint sind, auch tatsächlich erreicht. „Im Skript geht es zum Beispiel an einer Stelle um ein ‚Substitutionsangebot‘“, sagt Theresa Hellmund. „Ein Protagonist sagte uns aber: ‚Das versteht kein Schwein.‘“ So wurden die Texte mehrmals überarbeitet, bis sie passten. Auch die Texte in anderen Sprachen – die Videos sind auf Deutsch, Englisch, Rumänisch, Polnisch und Russisch verfügbar – wurden vor allem von wohnungslosen Menschen eingesprochen.

Das Projekt ist zu Ende, der nächste Schritt steht an: die Impfung. Auch hier ist Aufklärung essenziell. Zurzeit entsteht eine Reihe an Plakaten, die zum Impfen ermutigen und in Unterkünften und Einrichtungen aufgehängt werden sollen. Damit das Ziel und Motto bald erreicht ist: „Wir halten zusammen. Wir halten Corona von der Straße.“