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46.000-fache Hilfe

Der Plan war ehrgeizig: ein Großzelt in der Innenstadt, in dem im Winter rund 500 Menschen pro Tag zweimal im Trockenen und Warmen essen können; aufgestellt von der Stadt Dortmund, organisiert vom Gast-Haus, der Kana Suppenküche, dem Team Wärmebus und bodo und gestemmt von Hunderten Ehrenamtlichen. Nach drei Monaten lässt sich sagen: Er hat funktioniert. 

Von Alexandra Gehrhardt

Seit dem Sommer waren die Verhandlungen mit der Stadt für die Winternothilfe gelaufen, weil sich früh abzeichnete, dass der im März eilig eingeschaltete Notfallmodus – eine Essensausgabe durchs Fenster und Essen to go – bei Schnee und Eis nicht gehen würde.

Nach dem Okay der Verwaltung und dem Ratsbeschluss im Oktober ging es schnell; innerhalb von vier Wochen stand das Zelt auf dem städtischen Grundstück am Dortmunder U, waren Fragen in puncto Logistik, Sicherheit und Sanitäranlagen geklärt, hatten die Initiativen Hygiene- und Organisationspläne erstellt. Auf den Ehrenamtsaufruf von Gast-Haus, Kana Suppenküche, dem Team des Dortmunder Wärmebusses und bodo meldeten sich Hunderte.

Seit dem Start zählen die Initiativen mehr als 46.000 Besuche; etwa 280 Ehrenamtliche sind jede Woche in täglich zwei Schichten im Einsatz, schmieren Brote, packen Frühstückspakete, geben Kaffee, Suppe, Kuchen aus, haben ein offenes Ohr für die Gäste. Ganz reibungslos funktioniert ein Projekt dieser Größe freilich nicht: Mal fiel der Strom aus, mal das Wasser. Der Schneelast im Februar hielt das Dach stand. Als bei zweistelligen Minusgraden der Toilettenwagen einfror, öffnete das nahegelegene FZW, kurz zuvor für Absperrzäune vor dem Eingang kritisiert, seine Türen.

Dass die Bilanz so positiv ist, ist neben den vielen Helfenden auch jenen zu verdanken, die uns mit Spenden unterstützen. Und auch die Stadt hat, mit der Winternothilfe ebenso wie mit der schnellen Reaktion auf den Wintereinbruch, gezeigt, dass sie handeln kann und will – während in der Nachbarstadt erst im Schneesturm auffiel, dass das Kältekonzept nicht auf Schnee eingestellt ist (S. 41, bodo 01/02.21). Nach dem Winter wird es für uns Zeit, uns neu aufzustellen und auf den Rest des Jahres zu schauen. In dem wird Corona wohl noch lange eine Rolle spielen, und der nächste Winter kommt.