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Obdachloser Mann überfallen und verletzt

Wer draußen lebt, ist schutzlos. Foto: Sebastian Sellhorst

In Dortmund ist in der vergangenen Nacht ein obdachloser Mann überfallen und schwer verletzt worden. Er war aus einer Gruppe von vier Männern heraus angegriffen worden, die Männer raubten ihm außerdem seinen Becher mit 20 Euro. Gewalt gegen Obdachlose ist alltäglich.

Gegen Mitternacht, schreibt die Polizei in einer Pressemitteilung, sei der 41-Jährige, der an einem Supermarkt in der Kaiserstraße stand, von einem Mann angesprochen und um eine Zigarette gebeten worden, die er ihm gab. Ein zweiter „schlug unmittelbar mit einem Gegenstand auf den Kopf des Wohnungslosen ein“ und verletzte ihn am Kopf und im Gesicht, so die Polizei. Danach hätten die Männer den Becher des Opfers mit etwa 20 Euro genommen und seien gegangen. Eine Zeugin habe die Polizei alarmiert, ein Rettungswagen den Mann schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei sucht nun nach insgesamt vier Tätern.

Gewalt gegen Obdachlose ist Alltag. Sie haben keinen privaten Rückzugsraum, werden bedroht, erniedrigt, geschlagen, vergewaltigt, im Schlafsack angezündet, getötet. Mehr als 2.200 Gewaltdelikte (Stand: April 2020) erfasste die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe gegen Wohnungslose seit 1989 – und geht davon aus, dass das Dunkelfeld wesentlich größer ist. Viele Taten würden gar nicht zur Anzeige gebracht, weil Betroffene Angst vor Rache durch die Täter haben, sich schämen oder Ermittlungsbehörden nicht vertrauen. Die gesellschaftliche Stigmatisierung von Wohnungslosen und ihre strukturelle Abwertung begünstigt gleichzeitig Gewalt. Allein im vergangenen Jahr sind nach Zählungen der BAG W 20 wohnungslose Menschen durch Gewalt gestorben, seit 1989 waren es 582.

Auf der Straße sind Wohnungslose schutzlos. Was schützt, ist eine Tür die man schließen, ein Ort, an den man sich zurückziehen kann. Der beste Schutz ist eine Wohnung.