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Bett statt Schlafsack

Gast-Haus e.V., das Team Wärmebus und bodo e.V. starten niederschwellige Notunterbringung für obdachlose Menschen

Corona trifft Wohnungslose hart, die niedrigen Temperaturen im Winter sind zusätzlich gefährlich. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen für die bestehenden Unterkünfte nicht in Frage kommen. Drei Initiativen der Wohnungslosenhilfe – der Gast-Haus e.V., das Team Wärmebus und der bodo e.V. – schließen nun diese Lücke und haben eine niederschwellige Notübernachtung für wohnungs- und obdachlose Menschen geschaffen.

Der Gast-Haus e.V., das Team Wärmebus und bodo schaffen eine niederschwellige Notübernachtung für wohnungs- und obdachlose Menschen. Fotos: Sebastian Sellhorst

In einem innerstädtischen Hotel stehen zunächst zehn Einzel- und Doppelzimmer zur Verfügung, um besonders vulnerable Menschen unterzubringen, die für die bestehenden Unterbringungsformate nicht in Frage kommen – weil sie keine Transferleistungen beziehen, einen Hund haben, als Paar nicht gemeinsam unterkommen können oder aufgrund psychosozialer Probleme die Übernachtungsstellen meiden und darum auf der Straße schlafen.

„Wir möchten da helfen, wo keine anderen Strukturen und Hilfsangebote mehr greifen, um unseren in Not geratenen Gästen eine schnellstmögliche unbürokratische Unterbringung zu ermöglichen“, sagt Klaus Bathen vom Team Wärmebus. „Diesen Menschen geben wir damit eine Chance, endlich mal einen Ort zu haben, zur Ruhe zu kommen. Im Idealfall schöpfen diese Gäste die Kraft, um für sich wieder eine neue Lebensperspektive aufbauen zu können. Das wäre ein richtig schöner Erfolg.“

In anderen Städten gibt es ähnliche Modelle bereits. „Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe BAG W hat schon zu Beginn der Pandemie gefordert, die Belegungsdichte in Unterkünften zu entzerren und nicht genutzte Hotels und Hostels für die Einzelunterbringung von Wohnungslosen zur Verfügung zu stellen“, so bodo-Geschäftsführerin Tanja Walter: „Wir schaffen aus der Not heraus ein Angebot, das gerade nötiger ist denn je.“

Die Notunterbringung richtet sich an Wohnungs- und Obdachlose, die an die Angebote des Gast-Haus e.V., bodo oder des Teams Wärmebus angebunden sind, aus unterschiedlichen Gründen die Übernachtungsstellen nicht nutzen (können) und die in der Lage sind, selbstständig im Hotel zu wohnen.

Heinrich Bettenhausen, Vorsitzender des Gast-Haus e.V.: „In der Vorarbeit für dieses Pilotprojekt ist uns sehr schnell klar geworden, dass das Angebot so niederschwellig wie möglich sein muss, um unsere Gäste nicht mit einem Maßnahmenkatalog zu überfordern. Sie müssen sich natürlich an Regeln halten, werden aber von uns auf Augenhöhe dabei begleitet. Das ist uns sehr wichtig.“

Mit jeder Bewohnerin und jedem Bewohner wurden vorher intensive Gespräche geführt, SozialarbeiterInnen aus den Einrichtungen sind täglich zur Beratung vor Ort, begleiten und betreuen die Gäste während ihres gesamten Aufenthalts und sind Ansprechpartner und Vermittler. Dafür hat das Hotel zusätzlichen einen eigenen Beratungsraum zur Verfügung gestellt. Die Träger finanzieren die Notunterbringung aus Eigenmitteln und Spenden.

Fotos (Verwendung ausschließlich in Zusammenhang mit dieser Nachricht): bodo e.V. / Sebastian Sellhorst