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„30 Schlafsäcke sind kein Konzept"

bodo e.V. kritisiert Kältekonzept der Stadt Bochum als unzureichend

Mit Enttäuschung nimmt der bodo e.V. das „Kältekonzept“ für wohnungs- und obdachlose Menschen zur Kenntnis, das die Stadt Bochum in dieser Woche vorgestellt hat. „Seit Monaten mahnen wir, dass der Corona-Winter für Wohnungslose gefährlicher werden könnte als ohnehin. Und seit Monaten haben wir auf ein städtisches Konzept gewartet, das der durch die Pandemie zugespitzten Lage Betroffener gerecht wird“, sagt „bodo“-Redaktionsleiter Bastian Pütter. „Das, was jetzt vorliegt, geht über kommunale Pflichtaufgaben jedoch kaum hinaus.“

Corona hat die Situation von Wohnungs- und Obdachlosen weiter verschärft. Foto: bodo e.V. / Sebastian Sellhorst (Archiv)

Das städtische Kältekonzept befasst sich mit Übernachtungsplätzen, Tagesaufenthalten und Nothilfen. Zusätzliche Schlafplätze in einer Schule in Hamme sind zwar vorgesehen, jedoch erst ab Temperaturen unter 0 Grad, nur als Überlauf für die regulären Schlafstellen im Fliednerhaus und in der Uhlandstraße und nur über Nacht. Ein Bahnhof ‑ welcher, verrät die Stadt nicht ‑ soll gar erst bei „extremer Nachtkälte“ unter minus 10 Grad als Schlafmöglichkeit geöffnet werden. Alle Schlafstellen sind ausschließlich über Nacht geöffnet. „Menschen haben ein Recht auf Unterbringung, auch bei Plusgeraden. Wenn dieses Recht nicht in Anspruch genommen wird, sind meist Ängste, erwartete bürokratische Hürden und räumliche Distanzen das Problem. Hier sind niedrigschwellige, zusätzliche Angebote gefordert. Stattdessen einen Bahnhof als städtisches Übernachtungsangebot zu bezeichnen ist angesichts der ohnehin prekären Lebensverhältnisse Wohnungsloser fast zynisch“, so Pütter.

Bei den Tagesaufenthalten ‑ die gerade im Winter essenziell sind, um der Kälte zu entgehen, sich aufzuwärmen und zu Kräften zu kommen ‑ tut sich de facto nichts: Die Öffnungszeiten des Tagesaufenthalts in der Henriettenstraße sind weiter eingeschränkt, Betroffene dürfen sich jetzt immerhin 45 Minuten dort aufhalten. „Im Winter reicht eine so kurze Zeit nicht aus, um sich richtig aufzuwärmen“, so Pütter weiter. Auch zusätzliche Aufenthaltsorte oder Wärmestuben tauchen im städtischen Kältekonzept nicht auf. „Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe appellierte schon vor Wochen dringend an Kommunen, zusätzliche Räume zu schaffen, um die gestiegene Not und den gestiegenen Platzbedarf aufzufangen und letztendlich Kältetote zu verhindern. Bochum verweist weiter auf die bestehenden Angebote, die aber nur von einem Teil der Betroffenen genutzt werden können.“

30 Schlafsäcke als Nothilfe

Besonders ärgert sich der bodo e.V. über die 30 „Notfallpakete“, die die Stadt als „weitere Hilfen gegen die Kälte“ auflistet. „Schlafsäcke halten im Winter auf der Straße nur ein paar Tage. Allein wir verteilen jeden Winter eine dreistellige Zahl als Nothilfe. 30 Schlafsäcke sind kein Konzept.“

Die Wohnungslosenhilfe warnt bundesweit davor, dass der Winter unter Corona-Bedingungen für Wohnungslose besonders gefährlich werden könnte. „In Dortmund laufen die Planungen für eine corona-kompatible Winternothilfe seit dem Frühsommer. Wir hätten uns gewünscht, dass auch Bochum den Sommer nutzt, um wirksame Maßnahmen zum Schutz derer zu ergreifen, die schutzlos sind“, erklärt Bastian Pütter. „Das vorliegende Konzept wird weder dem Ernst der Lage noch der Ankündigung des Oberbürgermeisters, die Bekämpfung von Wohnungslosigkeit zur ‚Chefsache‘ zu machen, gerecht.“