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Ein Platz im Trockenen

In seiner letzten Sitzung hat der Dortmunder Rat im Oktober beschlossen, die Wohnungslosenhilfe stärker zu unterstützen, und damit den Grundstein für die gemeinsame Winternothilfe von Gast-Haus, der Suppenküche Kana, dem Dortmunder Wärmebus und bodo gelegt. Es ist ein Erfolg nach monatelangem, zähen Ringen, bleibt aber eine Lösung auf Zeit – und eine, bei der Fragen offen bleiben.

Von Alexandra Gehrhardt | Fotos: Sebastian Sellhorst

Am Fuß des Dortmunder U startet Mitte November die Winternothilfe.

Jedes Jahr zum Welttag zur Beseitigung der Armut am 17. Oktober laden das Gast-Haus, die Kana Suppenküche, der Dortmunder Wärmebus und bodo vor das Dortmunder Rathaus, um auf die Situation von Wohnungslosen vor dem Winter aufmerksam zu machen. Diese ist seit Jahren gleichbleibend schwierig; ein Winternotprogramm wie in anderen Städten gibt es hier nicht. Nun trifft der nahende Winter auf eine globale Pandemie, die seit Monaten wichtige Infrastrukturen, vor allem aber Aufenthalts-, Beratungs-, und Begegnungsorte wegbrechen lässt – mit drastischen physischen und psychischen Folgen für die Betroffenen.

Für das drängende Problem der winter- und corona-tauglichen Essensversorgung ist, wohl auch dank der Anträge mehrerer Ratsfraktionen und der Verwaltung, die den Ernst der Lage erkannt hat, eine Lösung gefunden. Im November startet die Winternothilfe am Dortmunder U: In einem Großzelt können Wohnungslose vor Witterung und Kälte geschützt, täglich frühstücken und in den Nachmittagsstunden eine warme Mahlzeit zu sich nehmen. Das Gelände und die nötige Infrastruktur stellt die Stadt Dortmund, den Betrieb des Angebots organisieren, mit viel ehrenamtlicher Hilfe, Gast-Haus, Kana, das Wärmebus-Team und bodo im Verbund.

Alle Probleme löst dies nicht. Im Winter obdachlos zu sein, ist potenziell lebensbedrohlich, es mangelt jedoch an coronakonformen Tagesaufenthalten oder Wärmestuben. Auch in Sachen Unterbringung bleibt alles, wie es ist: Die kommunale Wohnungslosenhilfe ist explizites Angebot für DortmunderInnen mit Anspruch auf Leistungen vom Jobcenter oder Sozialamt. Wohnungslose mit Wohnsitz in Bremen bleiben genauso ausgeschlossen wie die aus Polen oder Spanien.

Darum bleibt auch der Ruf nach Sofortmaßnahmen: Zugänge zu Unterkünften für alle, die in Not sind, die Schaffung von Tagesaufenthalten oder die Öffnung von U-Bahn-Stationen in Frostnächten, um Kältetote zu verhindern.