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10 Jahre Projektraum Fotografie

Daniel Sadrowskis Fotos machen dieses Magazin seit vielen Jahren zu dem, was es ist. Seit 10 Jahren betreibt er gemeinsam mit Gerhard Kurtz im Dortmunder Union Gewerbehof einen unabhängigen Ausstellungsraum mit internationaler Ausstrahlung, einen Ort für den Austausch über Fotografie und Kunst, der gleichzeitig Atelier, Labor und Bibliothek ist.

Von Bastian Pütter

Fotos: Projektraum Fotografie

Spricht man mit Gerhard Kurtz und Daniel Sadrowski über ihre Arbeit, fallen in steter Folge Wörter wie „unabhängig“, „selbstständig“, „Austausch“, „Begegnung“ und „Kontakt“. Die Entscheidung für einen quasi öffentlichen Arbeitsraum, in dem ohne Auftrag, Finanzierung und Abhängigkeit vom Kulturbetrieb KünstlerInnen zusammengebracht werden, fiel bereits 2009.

Ein leerstehendes Atelier im Union Gewerbehof ließ die beiden und Mitgründer Heiko Hebig schnell handeln. Hier entstand nach Vorbild unter anderem des damaligen Kölner „Projektraum weiss“ ein Arbeitsraum, der auch vielbeachteter Ausstellungsort und Treffpunkt für FotokünstlerInnen und Kunstinteressierte ist.

Auf rund drei Dutzend Ausstellungen können die Macher zurückblicken. Anfragen kommen aus Frankreich, Italien oder Kanada. Den japanischen Fotokünstler Koji Onaka holten sie 2014 erstmals mit einer Ausstellung nach Deutschland. Die beiden pflegen Kontakte zu freien Räumen in Köln, Düsseldorf oder Paris.

Die Jubiläumsausstellung wird im wahrsten Sinne groß. Der Projektraum breitet sich in den öffentlichen Raum aus, „das Museum für alle“, sagt Gerhard Kurtz. Was wie eine Reaktion auf Corona wirkt, wird schon seit vergangenem Jahr geplant. Sonst für Werbung vorbehaltene Displays in der Stadt werden zur Galerie. Reicht das Geld, geht es auf das „18/1“-Format, das sind die richtig großen Plakatwände im Stadtraum. Im August geht es los, im Juli startet ein Crowdfunding, denn Zahl und Größe der Ausstellungsorte ist „nach oben offen“.

„Natürlich kommen zu unseren Ausstellungen Fotokunst- und Kulturinteressierte“, sagt Gerhard Kurtz. „Der ,white room‘ erzeugt Schwellenängste: ,Muss ich Kunst verstehen?‘ Das ist im öffentlichen Raum anders.“ „Democratic Gallery“ heißt das Projekt folglich.

Dort seien zusätzlich die Reibungen mit der Umgebung und die Erwartungen an sonst so eindeutige Kommunikation spannend. „Da ist die Plakatwand, aber anders als sonst ist da keine Werbung, da wird auf nichts hingewiesen, Du musst Dich mit dem Bild beschäftigen“, sagt Gerhard Kurtz.

Und noch eine Neuerung bringt das Jubiläumsjahr. „Wir haben uns über die Jahre ein großes Umfeld ,erspielt‘“, sagt Daniel Sadrowski. Kollaborationen, die nun in eine neue Struktur münden. Der Projektraum wird zum Verein. Auch hier ist die Pandemie Katalysator, nicht Auslöser. „Natürlich hat Corona die Situation für Selbstständige wie für KünstlerInnen verschärft“, sagt Daniel Sadrowski, „hier aber Kompetenzen zu bündeln und die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen, ist auch so sinnvoll.“ Gemeinsam, unabhängig, eigentlich wie bisher.