Menu Close

Immer noch Krise

Während in mehr und mehr Bereichen nach dem Lockdown so etwas wie Normalität zurückkehrt, ist die Lage von Wohnungs- und Obdachlosen weiter problematisch. Von den Lockerungen der vergangenen Wochen war die Wohnungslosenhilfe quasi ausgeschlossen, noch immer fehlen Beratungsorte und Aufenthaltsräume. Doch nun werden die ersten Nothilfeangebote zurückgefahren.

Von Alexandra Gehrhardt

Seit mehr als drei Monaten sind Tagesaufenthalte geschlossen und Beratungsstellen häufig im Notbetrieb, Mahlzeiten gibt es nur zum Mitnehmen. Es fehlen wichtige Aufenthaltsräume, die Orte des Kontakts und Schutzräume sind, vor Witterung, Stigmatisierung und staatlicher Sanktion, die auch in der Pandemie konsequent ist (bodo 06.20). Wann sie wieder öffnen, ist ungewiss.

In Bochum fiel mit der Schließung der Suppenküche im Fliednerhaus das einzige Angebot einer täglichen warmen Mahlzeit weg. Ein Ersatzangebot zum Mitnehmen erfasst nur eine Teilgruppe der bisherigen Nutzer. In Dortmund fingen vor allem nichtstaatliche Organisationen die größte Not auf und schafften es, täglich Frühstück und eine warme Mahlzeit anzubieten.

Das funktionierte bisher vergleichsweise gut. Doch nun werden die HelferInnen der vergangenen Wochen wieder an ihren eigentlichen Arbeitsplätzen gebraucht, und das wohl auf Kosten der Nothilfe. Das „Streetworker-Cafe“ des Jugendamtes hat sein Angebot eingegrenzt und wird Hilfesuchende über 27 wegschicken müssen. Der Wärmebus hat seine Touren schon von sieben auf zwei Tage reduziert.

Derweil steigen die Zahlen bei den Einrichtungen. Denn zu den klassischen Wohnungslosen und Armen kommen nun die, die bisher noch irgendwie klar kamen und die erst jetzt durch Kurzarbeit, Jobverlust oder den Wegfall von Tafeln und Schulspeisungen ins Straucheln kommen. Sozialverbände warnen vor wachsender Armut infolge der Pandemie, die Nationale Armutskonferenz sieht die Ärmsten nicht genug gegen die sozialen Folgen der Krise abgesichert. Anfang Juni hat die Bundesregierung einen Kinderzuschlag von einmalig 300 Euro verabschiedet. Ein Zuschlag für alleinlebende SozialleistungsempfängerInnen, wie von Verbänden gefordert, ist nicht Teil des Konjunkturpakets.