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"Er wird unglaublich fehlen"

von Sebastian Sellhorst

Am 7. November ist unser langjähriger bodo-Verkäufer Adolf Timpe verstorben. Mit 85 Jahren war er der älteste im bodo-Team. Nach 24 Jahren bei bodo ist Adolf für alle Mitarbeiter und Verkäufer bei bodo nur schwer wegzudenken und sein Tod hinterlässt eine große Lücke. Mit seiner herzlichen und offenen Art ist er über die Jahre für viele von uns zu einem guten Freund geworden.

„Zu bodo gefunden hat Adolf kurz nach der Gründung des Straßenmagazins. 1995 verkaufte er die erste bodo in Dortmund. Damals lebte er noch auf der Straße“, erinnert sich bodo-Geschäftsführerin Tanja Walter. „Adolf war einfach ein unglaublich netter Mensch. Jeder von den Verkäuferinnen und Verkäufern hatte ein gutes Verhältnis zu ihm. Selbst wenn es ihm mal nicht so gut ging, hatte er immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und ein offenes Ohr für die Probleme der anderen.“

Adolf selbst erinnerte sich, als wir ihn einmal an seinem Verkaufsplatz auf dem Dortmunder Westenhellweg besuchten, so an seine Anfänge beim Straßenmagazin: „Hier direkt in der Innenstadt habe ich vor zwanzig Jahren das erste Mal von bodo gehört. Ich war damals nach diversen Streitigkeiten mit meiner Familie und einem Job als Schausteller auf der Straße und an der Flasche gelandet.“ Über einen Freund aus der Übernachtungseinrichtung für Obdachlose sei er dann zu bodo gekommen. „In den darauffolgenden Monaten habe ich dann das Meiste wieder geregelt bekommen. Ich hab aufgehört zu trinken und wieder eine Wohnung bekommen.“ Von seiner positiven und optimistischen Seite zeigte er sich auch, als wir ihn diesen Sommer im Mina-Sattler-Seniorenzentrum besuchten, in das er dieses Jahr eingezogen war „Für viele wäre ein Zimmer zu wenig, aber ich hab nicht viel, für mich passt das“, erzählte er uns da. „Als ich zu bodo kam, war ich obdachlos. Da ist das hier doch wirklich Luxus.“

Mit dieser unvergleichlichen Art bereicherte Adolf die Verkäuferversammlungen, Freizeitaktivitäten und Feiern bei bodo. „Auf der Weihnachtsfeier in diesem Jahr wird er unglaublich fehlen“, so Vertriebsleiter Oliver Philipp. Über die Jahre war Adolf bei bodo zu einer Institution geworden. „Egal, worum man ihn bat – sei es als Protagonist für ein Radio- oder Fernsehinterview zur Verfügung zu stehen oder Studentinnen und Studenten vom Leben auf der Straße zu erzählen –, Adolf war immer mit dabei“, so Philipp. Noch im Frühjahr diesen Jahres machte er bei einem Kunstprojekt mit und erzählte in einer Wohnzimmer-Installation mitten in der Dortmunder Innenstadt Passantinnen und Passanten von seinem Leben. Die daraus resultierende Ausstellung durfte er leider nicht mehr erleben.

Noch warten alle Kollegen und Freunde auf einen Termin zur Beisetzung, die leider erst stattfinden kann, wenn die Suche nach möglichen Angehörigen zur Kostenübernahme durch die Stadt abgeschlossen ist. Wir alle hoffen, dass dies schnellstmöglich abgeschlossen ist und Adolf beigesetzt werden kann, damit wir in Würde Abschied von ihm nehmen können.