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Barber Angels schwangen Kamm & Schere bei bodo

Sebastian Sellhorst

Sie sehen aus wie Rocker und nennen sich „Engel“, ihre Instrumente sind Kamm, Schere und ganz viel Herzblut. Am Montag (15. Juli) waren die ehrenamtlichen Friseurinnen und Friseure der „Barber Angels“ wieder beim bodo e.V. in Bochum zu Gast ‑ zum letzten Mal vor dem Umzug des Vereins.

Vor ziemlich genau einem Jahr waren die „Barber Angels“ zum ersten Mal bei bodo, um wohnungslosen Menschen und solchen, die sich einen Friseurbesuch eigentlich nicht leisten können, kostenlos die Haare zu schneiden. Genau dafür haben sich FriseurInnen in ganz Deutschland 2016 zur „Barber Angels Brotherhood“ zusammengeschlossen.

Es geht darum, wohnungslosen Menschen Würde zurück zu geben, „und etwas Gutes zu tun“, sagt Andreas, Leiter der Sektion Ruhrgebiet/Münsterland. Mit Kutte und Lederkluft wirken sie im ersten Moment vielleicht ein bisschen ruppig, aber das Auftreten macht Sinn: Wer sich vor ProfifriseurInnen vielleicht schämt oder Angst hat, trifft hier auf Nähe, Herzlichkeit und Augenhöhe.

Und so war es ein ziemlich ungewohntes Bild im Hof der bodo-Anlaufstelle an der Stühmeyerstraße 33: Den Platz unter dem Torbogen hatten die „Engel“ kurzerhand zum Freiluft-Salon umfunktioniert, in dem immer fünf Menschen gleichzeitig Platz nehmen konnten. Alles andere war wie überall anders auch: Es wurde gelacht, gefachsimpelt und geklönt, und zum Schluss die neuen Frisuren begutachtet. Knapp 60 Köpfe haben sie an diesem Vormittag mit einem neuen Haarschnitt versehen. Für die wartenden KundInnen gab es Frühstück, und Susanne Barbera vom Barbera Caffè versorgte die Gäste, ebenfalls ehrenamtlich, mit kostenlosen Kaffeespezialitäten und Kakao aus ihrer mobilen Cafébar.

Der Besuch der „Engel mit Kamm und Schere“ war auch ein kleiner Abschied von der bodo-Anlaufstelle in der Stühmeyerstraße: Zum 1. August zieht bodo zusammen mit der Diakonie ins ehemalige Antoniusstift in der Henriettenstraße, gemeinsam betreiben beide Einrichtungen den Tagesaufenthalt für Wohnungslose. Die Diakonie wird dort außerdem die Beratungsstelle für wohnungslose Männer einrichten, „bodo“ eine Ausgabestelle und ein Vertriebs- und Beratungsbüro. Der Verein kehrt Anfang 2020 in einer Kooperation in die KoFabrik zurück: In der Gastronomie, die dort entstehen wird, wird eine Ausgabestelle des Straßenmagazins entstehen.

Übrigens: Die „Barber Angels“ suchen Friseurinnen und Friseure, die das Team im Ruhrgebiet und Münsterland unterstützen. Wer mitmachen möchte. kann sich online informieren und Kontakt aufnehmen: http://b-a-b.club.