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Anstieg der Wohnungslosigkeit: bodo e.V. sieht Alarmsignal

44.434 Wohnungslose in NRW, fast 2.300 in Bochum und Dortmund

44.434 wohnungslose Menschen zählt die aktuelle Wohnungsnotfallberichterstattung für NRW, die das NRW-Sozialministerium unter Karl Josef Laumann am Donnerstag bekannt gegeben hat. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um fast 38 Prozent. Für den gemeinnützigen bodo e.V. ist das Ausmaß der Wohnungslosigkeitskrise besorgniserregend.

Am 30. Juni jedes Jahres erfasst das Land NRW sogenannte Wohnungsnotfälle, also Menschen, die als Wohnungslose in kommunalen Unterkünften oder über freie Träger untergebracht sind. Diese Statistik hat Lücken ‑ sie erfasst zum Beispiel nicht Menschen, die solche Einrichtungen nicht nutzen und draußen schlafen. Trotzdem: Als Möglichkeit, Trends abzulesen ist sie hilfreich und bundesweit einmalig. Im vergangenen Jahr hatte das Land noch 32.286 Wohnungslose gezählt ‑ fast 40 Prozent weniger.

„Wir gehen davon aus, dass der massive Anstieg auch darauf zurückzuführen ist, dass nun mehr Menschen in die Statistik einfließen“, sagt „bodo“-Vertriebsleiter Oliver Philipp. Denn jetzt zählen auch mehrere Tausend Geflüchtete in NRW dazu, die nach ihrer Anerkennung noch in Unterkünften leben. Zudem hatte zum Beispiel Dortmund für den letztjährigen Bericht aufgrund eines Datenübertragungsfehlers nur einen Teil der in der Stadt untergebrachten Personen gemeldet. Bochum hatte vor einigen Jahren eine zu niedrige Zahl ans Land gemeldet. Aktuell sind in Dortmund 1.411 Wohnungslose untergebracht, in Bochum sind es 875.

„Wir denken, dass die Zahlen nun eher die Realität widerspiegeln“, so Philipp. „Und die bleibt besorgniserregend, weil die staatlichen und zivilgesellschaftlichen Angebote dafür bei Weitem nicht ausreichen.“

Die Ursachen sieht Philipp nicht nur in wachsender Armut: „Die massiv steigenden Mieten und der immer knapper werdende bezahlbare Wohnraum verhindern, dass Menschen, die unsere Hilfe suchen, eine Wohnung finden. Es besteht die Gefahr, dass, wer heute wohnungslos wird, es lange bleibt.“

Das Land NRW hat am Donnerstag auch einen Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit in NRW vorgestellt. 4,85 Millionen Euro sollen allein 2019 in mobile medizinische Dienste, psychiatrische Gesundheitsversorgung und Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft fließen. „Dass Herr Laumann erkannt hat, wie kritisch die Lage ist, ist sehr positiv. Trotzdem: Es braucht langfristig bezahlbaren Wohnraum für alle Teile der Bevölkerung, nicht nur für die, die sich Wohnen leisten können. Und es braucht einen Staat, der MieterInnen schützt und der nicht allein den Markt regeln lässt, sondern in Sachen Mieten ein Wort mitredet, wenn es der Markt eben nicht regelt. Der beste Schutz vor Wohnungslosigkeit ist, nicht die eigene Wohnung zu verlieren.“

Die Wohnungsnotfallberichterstattung des MAGS: https://www.mags.nrw/sites/default/files/asset/document/mags_pe_27-06-2019_anlage_3_kurzanalyse_wnb_2018.pdf