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Heart's Fear - Geschichten von Armut und Ausgrenzung

Auf eine Schauspielkarriere, unter anderem als Ensemblemitglied am Schauspiel Dortmund, folgte eine als Synchronsprecherin von „Reich & Schön“ bis zu den Simpsons. Eine dritter Lebensabschnitt begann, als Bettina Kenter-Götte bei einer Preisrede öffentlich machte, über was SchauspielerInnen sonst nicht reden: die eigenen Erfahrungen mit Armut und dem System Hartz IV (bodo 11.18). Am Montag, 29. April, kommt sie nach Dortmund.

Bettina Kenter beginnt am Theater, kommt Anfang der 1970er Jahre nach Dortmund und verlässt die Stadt Richtung Australien, um mit Peter Weir (Club der toten Dichter, Truman Show) zu drehen. Zurück in München arbeitet sie freiberuflich fürs Fernsehen, und steht weiter auf der Bühne. Als ihre Tochter zur Welt kommt, die sie allein großzieht, entscheidet sie sich gegen den damit unvereinbaren Schauspielberuf und baut sich eine Karriere als Synchronsprecherin auf.

Mit der Pleite des Kirch-Konzerns muss sie vorübergehend aufstocken und erlebt den gleichzeitigen Übergang zu Hartz IV hautnah – begleitet von einer Diffamierungskampagne gegen die vermeintlich Faulen, wie sie sich erinnert. Eine zweite, krankheitsbedingte Episode trifft sie noch härter: „Wie bei den meisten Schauspielern ohne Arbeitslosengeld, ohne Krankengeld. Nach zwei Jahren waren die Rücklagen weg. Und ich erlebte das neue System in voller Blüte.“

In ihrem Buch „Heart’s Fear“, Herzensangst, beschreibt sie, wie sie als Autorin Preise erhält, sich aber bei Lesungen Geld für die Rückfahrt leihen muss, wie es ihren Gästen den Appetit verschlägt, als sie erfahren, dass die Zutaten des viel gelobten Essens von der Tafel stammen, und wie Widersprüche und Klagen gegen falsche Bescheide und zu niedrige Auszahlungen alle Kräfte binden, auch wenn man schließlich Recht bekommt.

Das Schlimmste jedoch sei gewesen, in einer Parallelwelt leben zu müssen, zu der ihr Umfeld keinen Zugang mehr hatte: „Meine Freunde haben mich angeguckt, und ich habe an ihren Blicken gesehen, dass sie mir nicht glauben.“

Am 29. April liest und diskutiert sie an alter Wirkungsstätte, im Institut des Schauspiels Dortmund. Eine Veranstaltung in Kooperation mit Attac, Die Linke, Arbeitslosenzentrum und bodo. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.