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Neues Haus, alte Fragen

Mitte Januar ist in der Unionstraße in Dortmund die neue Männerübernachtungsstelle in Betrieb gegangen. Mit der Eröffnung ändert sich das Konzept: In Zukunft soll das Haus eine Clearingstelle sein, von der aus Untergebrachte binnen 14 Tagen in andere Angebote für Wohnungslose vermittelt werden. Anderthalb Jahre lang war am neuen Gebäude gebaut worden, nachdem das alte so marode geworden war, dass es abgerissen werden musste. In dieser Zeit diente ein Gebäude in der Adlerstraße als Quartier, nun ist an alter Stelle die neue Einrichtung für bis zu 70 Männer fertig. Statt sechs bis acht sollen nur noch bis zu vier Männer in einem Raum schlafen. Für ganze Gruppen von Menschen gibt es weiter keine Lösung.

In Zukunft soll das Haus Clearingstelle sein, also erster Ort, von dem aus Menschen dann in Wohnungen, betreute Wohnangebote oder andere Einrichtungen vermittelt werden. Bleibedauern von einem halben Jahr und mehr, wie es in der Vergangenheit immer wieder vorkam, soll es nicht mehr geben. Binnen 14 Tagen will die Stadt für jeden eine Lösung finden, sagte Sozialdezernentin Birgit Zoerner.

Nicht ganz für jeden: Denn Voraussetzung für die Nutzung der Notunterkunft bleibt, nach einer kostenlosen Nacht, der Leistungsbezug in Dortmund. Für alle anderen ist die Stadt nach eigener Auffassung nicht zuständig. Das betrifft Obdachlose aus Bremen ebenso wie die aus dem EU-Ausland. Auch für Hundesbesitzer gibt es weiter keine Lösung. Die Stadt verweist zwar auf das Tierheim und die Notübernachtung des Gast-Haus e.V., das auch Hunde aufnimmt – das ist aber weder ein tägliches noch ein städtisches Angebot. Bei Minustemperaturen räumen Ehrenamtliche die Büroetage des Vereins frei, um genau den Menschen einen Schlafplatz anzubieten, die woanders keinen bekommen.

Vom städtischen Konzept zur Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe gibt es in der Zwischenzeit nichts Neues. Die Stadt hat im Sommer Übernachtungsplätze für junge Erwachsene und eine Unterkunft für Suchterkrankte beschlossen – bei letzterer stehe „die Idee auf konzeptioneller Grobebene“, so Sozialamtsleiter Jörg Süßhardt, konkrete Planungen scheint es also noch nicht zu geben. Auch die seit Jahren überbelegte Frauenübernachtungsstelle wartet auf einen neuen Standort – den wird aber erst der neue Betreiber mitbringen. Eine Ausschreibung, um diesen zu finden, hat die Stadt noch nicht veröffentlicht.